Élysée-Palast

Élysée-Palast – Regierungssitz des französischen Präsidenten

Wussten Sie, dass der Élysée Palast einst Wohnsitz der legendären Madame de Pompadour war? Die Mätresse König Ludwigs XV hatte den Palast mit 365 Zimmern im Jahr 1753 erworben. Seit 1848 ist der Élysée-Palast Regierungssitz und offizieller Wohnsitz des französischen Präsidenten.

Élysée-Palast - der Schreibtisch des Präsidenten

Erbaut wurde er 1718 bis 1722 für den Grafen von Evreux. Als Madame de Pompadour den Palast nach dessen Tod erwarb, ließ sie einige Zimmer umbauen und im Garten ein Labyrinth, zahlreiche Lauben und einen Säulengang errichten. Nach ihrem Tod 1764 ging der Prachtbau an Ludwig XV, den sie als ihren Erben eingesetzt hatte. Benannt wurde der Palast übrigens nach der nahe gelegenen Avenue des Champs-Élysées.

Die turbulente Geschichte des Élysee Palastes
König Ludwig XV nutzte das dreistöckige Gebäude vorrangig als Gästehaus, bevor er es 1773 an einen Bankier verkaufte. Zwölf Jahre später war der Palast jedoch wieder im Besitz der Königsfamilie. Der Enkel von Ludwig XV, Ludwig XVI, hatte ihn für die Herzogin von Bourbon, seine Cousine, zurückgekauft. Diese geriet während der Französischen Revolution jedoch in Gefangenschaft. Der Palast, der damals Hôtel de Bourbon hieß, stand dann einige Zeit leer. Übrigens, das französische Wort „hôtel“ hatte damals nicht die Bedeutung von heute. Im 17. Jahrhundert verstand man unter einem „hôtel“ ein Stadthaus des Adels. Die Herzogin überlebte zwar die französische Revolution, verkaufte aber den Palast und ging ins Exil nach Spanien. Nun residierte eine Unternehmer-Familie für ein paar Jahre im Élysée-Palast bevor ihn der Schwager Napoleons, Joachim Murat, im Jahr 1805 kaufte und ihn umbauen ließ. Noch heute erinnert viel an den damaligen Besitzer. So wurde die Haupttreppe, auf Französisch „L’escalier d’Honneur“ nach ihm benannt und heißt Escalier Murat. Auch der damalige pompöse Ballsaal „Salon Murat“, in dem heute das französische Kabinett tagt, trägt seinen Namen.

Napoleon im Èlysée-Palast
Als Murat 1808 König von Neapel wurde Paris verließ, übernahm Napoleon den Palast und nannte ihn fortan Élysée-Napoleon-Palast. Dort unterzeichnete er 1814 seine Abdankung, bevor er ins Exil ging. Zwei Jahre später fiel der Palast in den Besitz von Ludwig XVIII, später an Ludwig Philipp, den letzten König von Frankreich. Nach der Februarrevolution 1848 erklärte die französische Nationalversammlung den Élysée-Palast zum Amtssitz des Präsidenten der Zweiten Republik Ludwig Napoleon Bonaparte. Dieser blieb aber nur eine Amtszeit lang Präsident, bevor er sich 1852 selbst zu Kaiser Napoleon III ernannte und ein erneutes Kaiserreich schuf. Erst während des Deutsch-Französischen Krieges wurde er abgesetzt und in Frankreich erneut die Republik ausgerufen. Seit 1873 ist der Élysée-Palast offizieller Amtssitz des französischen Präsidenten.
Übrigens, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichneten am 22. Januar 1963 im Élysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, den nach dem Palast benannten Élysée-Vertrag.

Die Räume des Élysee-Palastes
Der Haupteingang zum Élysée-Palast befindet sich in der Rue du Faubourg Saint-Honoré 55, in der Nähe der Avenue des Champs-Élysees und der Place de la Concorde. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes befinden sich Empfangsräume sowie der Salon Murat, der als Ministerratssaal dient. Der große Festsaal, in dem die Einführung des jeweiligen neuen Präsidenten sowie feierliche Abendessen und Pressekonferenzen stattfinden liegt im Westflügel. Büro und Sitzungssaal des Präsidenten befinden sich im ersten Stock. Die Wohnräume des Präsidenten, Bibliothek und Beraterbüros sind im östlichen Flügel des Élysée-Palastes. 

Wussten Sie, dass Sarkozy nicht gern im Élysée-Palast residierte? Er zog das Stadtpalais seiner Frau, Carla Bruni, im 16. Arrondissement der Präsidentenwohnung vor.

Besichtigung des Élysée-Palastes
Die meisten Franzosen kennen die Räumlichkeiten des Élysée-Palastes nur aus dem Fernsehen, denn das Gebäude ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Lediglich einmal jährlich gewährt der Präsident Bürgern und Touristen einen Blick in seinen Amtssitz. Und zwar am dritten Septemberwochenende während der „Journeés du Patrimoine“ (Tage des nationalen Kulturerbes). Sie möchten zu den Glücklichen gehören, die sich den Élysée-Palast von Innen ansehen dürfen? Dann müssen Sie sehr früh aufstehen, denn bereits um 7 Uhr morgens stehen lange Schlangen vor dem Eingang. Wenn Sie nicht zu den Ersten gehören, müssen Sie mit fünf bis sechs Stunden Schlangestehen rechnen.

Die Gärten des Élysée-Palastes
Auch wenn Ihnen der Zutritt zum Élysée-Palast verwehrt ist, so dürfen Sie seit 2013 in den Palastgärten spazieren gehen. Zwar nicht täglich, aber doch immerhin jeden letzten Sonntag des Monats von März bis Oktober. Die Öffnungszeiten sind von März bis August von 12 bis 17 Uhr, im September von 13 bis 19 Uhr und im Oktober von 12 bis 17 Uhr. Der Eingang (das Tor mit dem goldenen Hahn) befindet sich in der Avenue Gabriel, der Gartenseite des Palastes.

Der Weinkeller im Élysée-Palast
In den Gewölben des Élysée-Palastes wurde 1947 ein Weinkeller eingerichtet. Dort lagerten bis zum 31. Mai 2013 über 12.000 Flaschen Wein und Champagner, hauptsächlich aus den Weinbaugebieten Bordeaux und Burgund. Um die Staatskasse zu füllen, ließ Präsident Hollande ein Zehntel der edlen Tropfen versteigern. Der Gesamterlös belief sich auf immerhin 718.800 Euro. Als einer der teuersten Weine wurde ein 1990er Pétrus für 7625 Euro versteigert.

 

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