Mont Saint Michel

Mont Saint Michel – ein gotisches Meisterwerk im Atlantik

Majestätisch ragt der Granitfelsen vor der Küste der Normandie aus dem Meer. Dass auf dem Felsen ein monumentales Kloster thront, ist einem Traum des Bischofs Aubert von Avranches im Jahr 708 zu verdanken. In diesem Traum erschien ihm der Erzengel Michael und forderte ihn auf, auf dem kahlen Felsen im Meer eine Kirche zu errichten. Der Bischof schenkte dem Traum zunächst keine Bedeutung. Ein paar Nächte später erschien ihm der Erzengel aber erneut im Traum. Er wiederholte seine Botschaft und tippte dem Bischof zur Bekräftigung dieser mit einem Finger so heftig an die Stirn, dass eine Einbuchtung zurück blieb. Nach diesem „Zeichen“ leitete Aubert von Avranches den Bau der Kirche in die Wege. So die Legende. Der Schädel des Bischofs mit der ungewöhnlichen Einbuchtung wird in der Kirche Saint-Gervais in Avranches als Reliquie verehrt.

Mont Saint Michel
Mont Saint Michel – ein gotisches Meisterwerk im Atlantik
Foto: © Atout France, Pierre Torset

Aus Mont Tombe wird Mont Saint Michel
Zunächst entstand auf dem 46 Meter hohen Felsen eine einfache Kapelle, von der sich heute noch Reste einer Granitmauer in der alten Klosterkirche Notre-Dame-sous-Terre finden. Der Felsen, der bis dahin Mont Tombe hieß, erhielt nun den Namen Mont Saint Michel zu Ehren des Heiligen Michaels. Unter Richard I, Herzog der Normandie, gründete 966 eine Gruppe Mönche die Benediktinerabtei. Aber erst 1017 wurde mit dem Bau der Klosteranlage begonnen. Bei ihrer Fertigstellung 1520 hatte sie die Höhe des Felsens fast verdoppelt und war zudem zu einer der mächtigsten Abteien Europas geworden. Während der Französischen Revolution diente die Abtei als Gefängnis für politisch Gefangene, das erst 1863 wieder geschlossen wurde. Im Jahr 1874 wurde der Mont Saint Michel zum Nationaldenkmal von Frankreich erklärt. Die Benediktinermönche verließen in den 1960er Jahren das Kloster. Seit 2001 leben Ordensleute der „Brüder und Schwestern der Gemeinschaften von Jerusalem“ im Kloster. Der Mont Saint Michel gehört seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Die Abtei Mont Saint Michel
Der über 500 Jahre dauernde Bau der über 50.000 Quadratmeter großen Klosteranlage war eines der kostspieligsten und schwierigsten Bauprojekte seiner Zeit. Das monumentale Abteigebäude besteht aus drei Ebenen: der Kirchenebene, der mittleren und unteren Ebene. Der Klosterkomplex hat den Beinamen „La Merveille de l’Occident“ (das Wunder des Abendlandes), denn mit seinen labyrinthartig ineinander und übereinander verschachtelten Räumen und Krypten ist er tatsächlich ein Wunderwerk.

Kirchenebene
Auf der oberen Ebene lebten die Mönche. Hier befinden sich Abteikirche, Dormitorium, Refektorium, Kreuzgang und Archiv. Die Abteikirche aus dem 11. Jahrhundert bildet den höchsten Punkt des Felsens. Ihr Hauptportal grenzt an eine Terrasse, von der Besucher eine atemberaubende Aussicht haben. Das Dormitorium, das an die Kirche anschließt, dient heute als Sakristei und ist für Besucher tabu. Das tonnengewölbte Refektorium, in dem die Mönche ihre Mahlzeiten einnahmen, ist ein langer, schmaler Raum mit mehr als 50 Fenstern in den Seitenwänden. Diese geben dem Raum das Aussehen einer Arkadengalerie. Der architektonische Höhepunkt der oberen Ebene ist der Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert mit seinen Spitzbogenarkaden.

Mittlere Ebene
Hier befinden sich die Krypta der 30 Kerzen, die kleine Klosterkirche Notre-Dame-sous-Terre aus dem 10. Jahrhundert, die Krypta des heiligen Martins aus dem 11. Jahrhundert, der Ritter- und Gästesaal, in denen der Abt adlige Gäste empfing, sowie die Wohnräume des Abts. Die beiden Krypten wurden im 11. Jahrhundert zur Abstützung des Querschiffs der Abteikirche gebaut.

Untere Ebene
Wer auf der sozialen Leiter unten stand, wurde dementsprechend hier auf der unteren Ebene im Almosensaal empfangen. Im Almosensaal wurden aber nicht nur Bettler empfangen und Almosen an die Armen verteilt. Der Raum diente Jahrhunderte lang als Speise- und Schlafsaal für Pilger. Neben dem Almosensaal waren hier die Vorratskammern untergebracht. Vor den Türen der unteren Ebene befindet sich der Klostergarten.

Mont Saint Michel
Mont Saint Michel – ein gotisches Meisterwerk im Atlantik
Foto: © Atout France, R-Cast

So kommen Sie auf den Mont Saint Michel
Vor dem 19. Jahrhundert gelangten Pilger und Mönche nur bei Ebbe zum Mont Saint Michel. Die Mönche kannten sich mit den Gezeiten aus, die Pilger jedoch nicht, weshalb viele von ihnen in den Fluten umkamen. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist der mächtige Granitfelsen durch einen Damm mit dem Festland verbunden. Ihr Auto müssen Sie allerdings zweieinhalb Kilometer von der Klosterinsel entfernt auf dem Besucher-Parkplatz stehen lassen. Vom Parkplatz aus bringt Sie der kostenlose Shuttle-Bus „Le Passeur“ täglich ab 8 Uhr morgens direkt vor die Klosterpforte. Alternativ können Sie auch mit der Pferdekutsche „La Maringote“ zum Kloster hinauffahren. Oder gehen Sie zu Fuß. Die Strecke bis zum Mont Saint Michel ist in einer halben Stunde zu bewältigen. Der Aufstieg, der jedoch stufenreich und beschwerlich ist, dauert noch mal 30 Minuten.

Öffnungszeiten der Klosteranlage Mont Saint Michel
Das Kloster ist von Mai bis August täglich von 9-19 Uhr und von September bis April täglich von 9.30-18 Uhr geöffnet. Am 1. Januar, 1. Mai und am 25. Dezember sowie bei Sturmfluten ist die Abtei geschlossen. Wöchentlich findet dienstags bis sonntags um 12.15 Uhr ein Gottesdienst satt, an dem auch Besucher teilnehmen dürfen.

 

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