Französische Musik

Französische Musik – Chanson, Franco-Pop und Nouvelle Chanson

Was fällt Ihnen zu Musik aus Frankreich ein? Natürlich das Chanson. Seit Edith Piaf 1945 mit dem Lied „La vie en rose“ und Juliette Greco Anfang der 1950er mit „Les feuilles mortes“ weltberühmt wurden, gilt das Chanson als Inbegriff der französischen Musik. Bis heute gelten die beiden als die „Grand Dames de la Chanson“.

Franzoesische Musik
Französische Musik – Chanson, Franco-Pop und Nouvelle Chanson
Foto: Atout France, Cédric Helsly

Die Liste der Chansonsänger ist lang, aber nur wenige feierten auch in Deutschland Erfolge. Zu ihnen gehörten der Belgier Jacques Brel, Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Georges Brassent, Serge Gainsbourg, Leo Ferré und der 2013 verstorbene Georges Moustaki.

Was steckt hinter dem Begriff Chanson?
Übersetzt bedeutet Chanson nichts anderes als Lied, dessen Besonderheit jedoch seine starke Konzentration auf die Textaussage ausmacht. Die Texte des Chansons handeln von Liebe, Weltschmerz, den Misslichkeiten des Alltags, dem Alter und der Politik – oft auf ironische Weise. Ein Chanson wird nicht ausschließlich gesungen, es kann auch im Sprechgesang vorgetragen werden, wie zum Beispiel Carla Brunis „Quelqu’un m’a dit“.

Die Geschichte des Chansons im 20. Jahrhundert
Die Entwicklung des modernen Chansons wurde in den 1930er Jahren durch den Jazz beeinflusst. So wurde Charles Trenet, der bekannteste Chansonnier dieser Zeit, in manchen Chansons vom Jazz-Gitarristen Django Reinhard begleitet, wie zum Beispiel in „La Cigale Et La Fourmi“. Ganz sicher kennen Sie Trenets Chanson „La Mer“, mit dem er 1946 weltberühmt wurde. Auch die Chansons von Tino Rossi und der in Paris lebenden amerikanischen Tänzerin und Sängerin Josephine Baker waren zeitweise vom Jazz geprägt. Wussten Sie, dass bis heute kein französischer Sänger weltweit so viele Platten wie Tino Rossi verkauft hat? 250 Millionen! Er sang 1946 die französische Version des mexikanischen Klassikers „Besame mucho“. Keiner hat das Chanson jedoch so weiterentwickelt wie Edith Piaf in den 40er Jahren und Juliette Greco ein Jahrzehnt später. In den 50er Jahren nahm Piaf nicht nur Platten auf, sondern förderte auch die Karrieren der Neuentdeckungen Charles Aznavour, Gilbert Bécaud und Georges Moustaki.

Chanson, Schlager oder Pop?
Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Chanson und einem Schlager? Während ein Chanson eine Geschichte erzählt, die einem lyrischen Text gleicht, ist der Schlager ein Gesangsstück mit einem eher anspruchslosen Text. Der Schlager wird immer von Instrumenten begleitet, während das Chanson oft nur mit einem Instrument auskommt, wie zum Beispiel dem Klavier oder der Gitarre. Diverse französische Interpreten singen sowohl Schlager als auch Chansons bzw. vermischen die beiden Genres. Dazu gehören Mireille Mathieu, der Belgier Adamo und die 1987 verstorbene Dalida. Patricia Kaas hingegen singt Chansons in einer Mischung aus Jazz und Popmusik.

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Französische Musik – Chanson, Franco-Pop und Nouvelle Chanson
Foto: Atout France, Cédric Helsly

Franco-Pop
In den 1960er Jahren waren Johnny Hallyday, den die Franzosen gern ihren „Elvis“ nennen, und Sylvie Vartan die prägenden Interpreten des Franco-Pop. Hallyday sang auch Titel auf Deutsch, wie den Twist „Ja der Elefant“ (1962) und die deutsche Version von „House Of The Rising Sun“ (1967). In Frankreich war „Cheveux Longs Et Idées Courtes“ einer seiner größten Hits. Der erste große Erfolg des damaligen Teenager-Idols Sylvie Vartan war die französische Version von „Locomotion“. 

Jacques Dutronc, der oft mit dem Sänger der Kinks, Ray Davies, verglichen wurde, sang die Klassiker „Et Moi, Et Moi, Et Moi“ (1966) und „Paris s’eveille“ (1968), seinen bekanntesten Hit in Deutschland.
Einer der größten Hits in französischer Sprache weltweit ist bis heute der New Wave-Klassiker „Ça Plane Pour Moi“ (1977) des Belgiers Plastic Betrand alias Roger Jouret.

Französische Schlager
Als die damals siebzehnjährige France Gall mit dem Lied „Poupée De Cire, Poupée De Son“ 1965 den Eurovision Song Contest gewann, wurde der französische Schlager auch in Deutschland populär. France Gall nahm in den 1960er und frühen 70er Jahren mehrere Platten in deutscher Sprache auf und hatte mit „Zwei Apfelsinen im Haar“ 1968 einen ihrer größten Hits in Deutschland. Eine andere Sängerin, die in Deutschland zur selben Zeit sehr beliebt war und auch auf Deutsch sang, ist Françoise Hardy. Sicher kennen Sie ihren Hit „Frag den Abendwind“. Michel Polnareff hatte hierzulande mit „La Poupée Qui Fait Non“ 1966 einen seiner größten Erfolge.

Nouvelle Chanson – die neue Chansonszene

Seit den frühen 1990er Jahren hat sich eine neue Chansonszene entwickelt – eine Mischung aus Stil-Vielfalt und den Elementen des klassischen Chansons. Als einer der Wegbereiter gilt Thomas Fersen. Einer seiner frühen Hits ist „Le Bal Des Oiseaux“ (1993). Außerhalb Frankreichs kennt man vor allem die Sängerin Zaz mit der rauchigen und sehr flexiblen Stimme, die 2011 und 2012 bei der Echoverleihung nominiert war. Viele Franzosen sehen in ihr die neue Edith Piaf. Weitere bekannte Interpreten des Nouvelle Chanson sind Benjamin Biolay, seine Schwester Coralie Clément, Philippe Katerine, Émilie Simon und Sébastien Tellier. Und natürlich Carla Bruni, Ehefrau des früheren Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy.

Auch heute werden immer wieder bekannte Chansons aus den 1940er und 50er Jahren von diversen Interpreten neu aufgenommen – wie beispielsweise Edith Piafs „Dans Ma Rue“ von Zaz. Ein Beweis, dass das Chanson eine ungebrochene Akzeptanz genießt und für die französische Musik schlechthin steht.

 

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