Frankreich und seine Glücksspieler

 

Eine kurze Reise durch die Geschichte

Frankreichs Historie und die Geschichte des Glücksspiels haben einige überaus bemerkenswerte Berührungspunkte, vom 17. bis hinein ins 19. Jahrhundert. Ein paar der prominenteren Beispiele der Verbindung von französischer Geschichte und Glücksspiel.

 

 Abbildung 1

Geschichte und Glücksspiel, Hand in Hand

Die historische Entwicklung Frankreichs hat sicherlich bedeutendere Dinge hervorgebracht als das Glücksspiel. Es wäre sogar grundlegend falsch, das zu unterstellen, denn selbstverständlich sind Würfel- und Kartenspiele oder Wetten deutlich älter als die französische Nation – ganz zu schweigen davon, dass ihre Ursprünge über die ganze Welt verstreut zu finden sind. Nichtsdestotrotz ist eine wiederkehrende (manchmal nur mutmaßliche) gegenseitige Beeinflussung, spätestens seit dem 17. Jahrhundert, nicht mehr von der Hand zu weisen, selbst wenn sie in der Gesamtschau natürlich nur punktuell auftritt.

Was wiederum keineswegs bedeutet, dass die sich daraus ergebenden Trends nicht durchaus übernationale Strahlkraft besitzen konnten: So stammeneinige der damals populärsten Spiele – etwa das Biribi oder Cavagnole genannte Setzspiel mit Ziffern von 1 bis 70 – aus Frankreich, gespielt wurden sie aber deutlich über die Grenzen hinaus. Umgekehrt war es Napoleon Bonaparte, der mit seiner Erlaubnis öffentlicher Spielbanken den zwischenzeitlichen Aufschwung des Glücksspiels innerhalb der Staatsgrenzen ermöglichte, damit aber Spieler aus ganz Europa anzog. Bis zum allgemeinen Glücksspielverbot im Jahr 1837 avancierte Frankreich dadurch zum Zentrum für europäische Glücksjäger. Die unmittelbaren Verschränkungen von französischer Historie und Glücksspiel fanden damit ein vorläufiges Ende – von den Auswirkungen dieses Endes wird aber noch zu reden sein –, frühere Beispiele hierfür lassen sich dennoch finden.

Blaise Pascal und die Erfindung des Roulette

Eines der prominentesten und zugleich umstrittensten dieser Beispiele ist die Geschichte um die Erfindung des Roulette. Prominent vor allem deshalb, weil Roulette bis heute einer der weltweit bekanntesten Stellvertreter des Casino-Glücksspiels ist; umstritten wiederum deswegen, weil die Zuschreibung der Erfindung an den französischen Mathematiker, Physiker und Religionsphilosophen Blaise Pascal (1623 – 1662) in dieser Form kaum haltbar ist – auch wenn sie, im Zusammenhang betrachtet, ein verzeihliches Missverständnis ist.

 Abbildung 2

Ein vielseitiges Talent

Der Sohn aus einer amtsadeligen Familie aus der Auvergne bewies schon recht früh ein außergewöhnliches Talent für die Mathematik, was seinen ebenfalls studierten Vater dazu veranlasste, ihm Zugang zu dem Gelehrtenkreis um den französischen Theologen Père Marin Mersenne zu verschaffen. Hier wusste er bereits mit 16 Jahren durch seine Abhandlungen über Kegelschnitte zu beeindrucken.

Allerdings beschränkte sich Pascals Forschen und Arbeiten nicht allein auf das Gebiet der Mathematik, tatsächlich war auch sein Wirken im Bereich der Physik von nachhaltigem Erfolg: Im Verlauf seiner Untersuchungen zum Luftdruck erfand er das Barometer – wodurch er zugleich der Namensgeber für die entsprechende Messeinheit wurde –, behandelte in diesem Zug erstmalig die Hydrostatik in umfassender Weise und beschäftigte sich mit dem Phänomen des Vakuums.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wandte sich Pascal dann zunehmend theologischen Themen zu, vertrat dabei die jansenistische Lehre gegenüber den französischen Jesuiten und begann eine umfassende Apologie der christlichen Religion. Die konnte er jedoch nicht mehr fertigstellen, die vorliegenden Fragmente wurden dennoch posthum als „Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets“ veröffentlicht. Nebenbei blieb er aber auch seinen mathematischen Studien treu, womit er unter anderem zur Entwicklung der Differential- und Integralrechnung beitrug.

 

Der Erfinder

So vielseitig die theoretischen Interessen von Blaise Pascal waren, so weitreichend waren auch seine Bemühungen für die praktische Umsetzung seines Wissens. Bestes Beispiel hierfür ist Pascals erste Erfindung, die in der Schnittmenge zwischen seinem Interesse für die Mathematik und dem alltäglichen Leben seiner Familie – respektive seines Vaters – entstand. Der war, wie bereits erwähnt, als Steuerbeamter tätig, also für das Eintreiben der Steuern persönlich verantwortlich. Im Alter von 19 Jahren entwickelte Pascal eine Rechenmaschine zur Erleichterung dieser Arbeit.

Der mechanische Apparat konnte mittels verschiedener Wählscheiben Additionsaufgaben erledigen, spätere Versionen erlaubten auch Subtraktionen. Das Patent auf die später schlicht „Pascaline“ genannte Maschine ließ sich allerdings nicht gewinnbringend nutzen – die Fertigung der Apparate und damit ihr Preis waren schlussendlich zu hoch, um aus ihnen ein massentaugliches Produkt zu machen.


Ohne Patent, allerdings ebenfalls ohne weitreichendere Wirkkraft blieb Pascals Angewohnheit, seine Uhr an seinem Handgelenk zu tragen. Möglicherweise lag das jedoch einfach daran, dass seine persönliche Armbanduhr nur aus einer gewöhnlichen Taschenuhr bestand, die er mit einer Schnur an seinem Handgelenk befestigte. Vom modischen Accessoire der heutigen Zeit war dieser rein pragmatische Ansatz also noch weit entfernt.

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Gleichfalls zukunftsweisend war Pascals Idee zur Etablierung eines öffentlichen Nahverkehrssystems, die aus seinen Beobachtungen der Verkehrsverhältnisse in Paris entstand: Spezielle Fahrzeuge sollten entlang fester Routen zu festen Zeiten für die Beförderung der Einwohner sorgen. Die Pferdeomnibusse – gemäß des Fahrpreises „carrosses à cinq sols“ genannt – konnten insgesamt acht Passagiere transportieren, gezogen wurden sie von zwei Pferden. Dieses Projekt konnte im Jahr 1662 tatsächlich erfolgreich umgesetzt werden, allerdings bestand es nach seiner Einführung nur einige wenige Jahre, bevor es eingestellt wurde.

Ein Missverständnis: Pascals „Histoire de la roulette“

Während sich diese Erfindungen zweifelsfrei Pascal zuschreiben lassen, sieht es bei seinem Beitrag zum Roulette-Spiel etwas anders aus. Richtig ist: Blaise Pascal verfasste zwei Schriften mit den Titeln „Histoire de la roulette“ und „Suite de l’histoire de la roulette“. Falsch ist hingegen die Ableitung einer Verbindung zum Glücksspiel, denn tatsächlich behandeln diese beiden Arbeiten lediglich das Verhalten eines sich drehenden Zylinders – die in diesem Zusammenhang untersuchte zyklische Kurve hört im Französischen aber eben auch auf den Namen „roulette“.

 

Ganz von der Hand zu weisen ist eine Verbindung von Blaise Pascal und dem Roulette allerdings auch nicht, wenn auch keine unmittelbare: Hintergrund ist hier in erster Linie seine Auseinandersetzung mit dem Problem gerechter Gewinnverteilungen bei Glücksspielen, die wiederum die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung schufen. Darüber hinaus findet auch das sogenannte Pascalsche Dreieck bei Lottospielen oder möglichen Vorhersagen von Roulettewürfen Anwendung, weil sich mit seiner Hilfe beispielsweise die Anzahl möglicher Ziehungen beim Lotto bestimmen lassen. Dass die Motivation für Pascals Beschäftigung mit diesem Zahlendreieck in dieser Richtung zu finden ist, kann aber wohl als unwahrscheinlich gelten.

John Law und die französische Nationalbank

Während die Verbindung von Blaise Pascal und dem Glücksspiel also allenthalben auf Umwegen hergestellt werden kann, ist sie im Fall des Schotten John Law (1671 – 1729) sehr viel deutlicher zu erkennen. Was nicht zuletzt an dessen beruflicher Vergangenheit als professioneller Glücksspieler liegt, bevor er sich zum Contrôleur Général des Finances von Frankreich aufschwang. Daneben zeigen die wirtschaftlichen Unternehmungen Laws in ähnlicher Weise die Handschrift eines Mannes, der kein noch so großes Risiko scheute.

Vom Spieler zum Ökonom

 

John Laws Familie stammte aus Edinburgh, wo sein Vater William als Goldschmied und Geldverleiher arbeitete. Während Pascal in seinen Jugendjahren schon mit mathematischen Abhandlungen brillierte, suchte Law in einem ähnlichen Alter im wahrsten Sinne des Wortes sein Glück in London: Auch ihm kann eine mathematische Begabung nicht abgesprochen werden, allerdings setzte er seine Fähigkeiten tatsächlich in der Hauptsache an den Spieltischen ein – zumindest bis ihn eine Verurteilung zum Tod in Folge eines Duells ins Exil auf dem europäischen Kontinent vertrieb.

In dieser Zeit kam Law auch mit dem holländischen Bankensystem und der Ostindienkompanie in Berührung, in denen er gleichermaßen das Potenzial zur Geldvermehrung sah. Aufgrund seiner Beobachtungen entwickelte er seine eigenen Ideen: Zunächst die einer Bodenbank nach dem Vorbild der Bank von Amsterdam (die er in seiner schottischen Heimat jedoch nicht durchsetzen konnte), dann in einer Geld- und Kredittheorie, die sich mit den Zusammenhängen von Geldumlauf und Außen- und Binnenhandel befasste.

Eine Idee gegen den Staatsbankrott

Nachdem seine Ideen in Schottland keinen Anklang fanden und der Act of Union sein Todesurteil auch in seiner angestammten Heimat erneut aktuell machte, zog es Law einmal mehr auf das Festland. Eine für ihn in Anbetracht der Umstände glückliche Fügung, denn in Sonnenkönig Ludwig XIV. und dessen Generalkontrolleur der Finanzen Nicolas Desmarets sollte er schließlich doch zwei prominente Unterstützer seiner Pläne finden. Auf offene Ohren stieß er nicht zuletzt deshalb, weil die in ganz Europa geführten Kriege Ludwigs die Staatsfinanzen über Jahre hinweg schwer belastet hatten und der Staatsbankrott drohte.

Um seine Idee zur Vermehrung der Geldmenge in die Tat umsetzen zu können, erhielt Law 1716 die Erlaubnis zur Eröffnung einer – vorläufig nur privaten – Bank. Die „Banque Générale“ dürfte zudem Papiergeld ausgeben, das vermeintlich durch die Bestände an Münzgeld in seinem Wert gedeckt war – eine Lüge, denn der Kapitalstock von Laws Bank konnte bestenfalls einen Bruchteil der ausgegebenen Geldnoten abdecken.

Was wiederum nichts am Erfolg des Konzepts änderte: Durch den erhöhten Geldumlauf konnten Konsum und in der Folge Produktion und Beschäftigung wie erhofft gesteigert werden. Die Popularität des Papiergeldes wurde zusätzlich noch durch die Anerkennung als gesetzliches Zahlungsmittel für Steuerschulden vergrößert, was aus Law gewissermaßen einen Staatsbankier machte. Folgerichtig wurde seine Privatbank schon zwei Jahre nach ihrer Gründung in die „Bank Royale“ umgewandelt, mit Filialen in verschiedenen französischen Städten.

Aufstieg und Fall

Der nächste Coup war der Erwerb der Konzessionen für die Steuerpachten. Zu diesem Zweck gründete Law eigens eine Aktiengesellschaft, die natürlich seiner Kontrolle unterlag. Damit kontrollierte der Schotte faktisch aber auch die gesamten Staatsfinanzen, was einherging mit noch größeren Plänen.

Gemäß seiner Theorie vom Zusammenhang zwischen bestehender Geldmenge und Außenhandel hatte Law schon 1717 die Mississippi-Gesellschaft – eigentlich Compagnie d’Occident – gegründet. Wie fast alle Kolonialmächte der Zeit erhoffte sich auch Frankreich von den Gebieten in Übersee einen beträchtlichen Zugewinn an Edelmetallen. Da das Territorium Französisch Louisianas weite Teile des mittleren Westens von Nordamerika umfasste und von den Appalachen bis zu den Rocky Mountains reichte, waren die Erwartungen entsprechend hoch.

Für Law selbst war darüber hinaus die Aussicht verlockend, auf diesem Wege die staatliche Schuldenverwaltung einerseits und den kolonialen Außenhandel andererseits in seiner Hand zu vereinen. Damit die Handelsgesellschaft einen ausreichend großen Kapitalstock aufbauen konnte, wurden zwischen 1717 und 1719 mehrere Hunderttausend Aktien ausgegeben. Gleichzeitig waren Banque Royale und die Mississippi-Gesellschaft aber derart miteinander verbunden, dass theoretisch auch auf die Kapitalbasis der Bank zurückgegriffen werden konnte.

Gerade in Anbetracht der anfänglichen Schwierigkeiten erwies sich diese Verbindung als überaus vorteilhaft für Law, insbesondere weil seine Bank nun offiziell über das Münzrecht verfügte: Um seine Handelsgesellschaft zu stärken, druckte Law ungedeckte Banknoten in großer Stückzahl. Mit diesen erstand er das Tabakmonopol (das sich als umso lukrativer erwies, als die Entdeckung von Edelmetallen ausblieb) sowie die Rechte an der Senegal-Gesellschaft, der Ostindischen und der Chinesischen Kompanie. Im Zuge der Vereinigung gewissermaßen des gesamten kolonialen Handels Frankreichs verzeichneten auch die Aktien Gewinne. Lag deren Nennwert bei der ersten Emission noch bei 500 Livre, stieg er bis zum September 1719 auf über 10.000 Livre.

Zu dem Boom hatten einerseits Laws Versprechungen enormer Gewinne aus den Überseeterritorien, andererseits die tatsächlich eingefahren Erlöse geführt. Der Lohn hierfür war unter anderem die Ernennung zum Generalkontrolleur der Finanzen. Dass der Gegenwert der Aktien im Höchstfall zu einem Bruchteil gedeckt war, während die Staatsbank weiterhin gänzlich ungedecktes Papiergeld in Milliardenhöhe ausgab, sorgte schließlichfür eine bedrohliche Spekulationsblase. Die Geldmenge im Umlauf war im Jahr 1720 schon auf fast vier Milliarden Livres angestiegen (von 149 Millionen Livres im Jahr 1718 wohlgemerkt), erhebliche Preisteuerungen auf Gebrauchsgüter des täglichen Lebens die Folge.

Law sah sich zum Handeln gezwungen, um den Kollaps des von ihm geschaffenen Systems noch zu verhindern: Die geplante Abwertung von Banknoten und Aktien um die Hälfte und die Festsetzung des Aktiennennwertes war zwar eine notwendige Maßnahme, um die Menge des Umlaufgeldes zu verringern. Allerdings sahen sich große Teile der Bevölkerung, die durch die Spekulationen zuvor zu schnellem Reichtum gekommen waren, um eben diesen betrogen.

Damit kippte nicht nur die Stimmung, sondern gleich das gesamte System. John Law floh vor den aufgebrachten Menschen zunächst in den Palais Royale, von dort aus weiter nach Brüssel. Im Schlepptau hatte er ungeheure persönliche Schulden – seine französischen Besitztümer waren konfisziert worden, seine Privatschulden im Ausland lagen bei fast sieben Millionen Livres. Dazu kam die Hypothek, von nun an der Mann zu sein, der sich in ganz großem Stil verzockt und Frankreich vollends in den Bankrott getrieben hatte.

Voltaire und die französische Staatslotterie

François-Marie Arouet, besser bekannt unter dem Namen Voltaire (1694 – 1778), ist für Vieles berühmt, am meisten wohl für seine Vorreiterrolle in der europäischen Aufklärung. Sein bemerkenswertes Schaffen im literarischen Bereich, gepaart mit einem überaus großen Erfolg schon zu Lebzeiten – viele seiner Werke wurden der großen Nachfrage wegen in mehreren, kurz aufeinanderfolgenden Auflagen veröffentlicht – sorgten für einen gewissen Lebensstandard. Als der wohl reichste Literat seiner Zeit verfügte Voltaire über ein Jahreseinkommen von rund 100.000 Livres.

Eine weitere Idee gegen den Staatsbankrott

Darüber hinaus erwies sich der Philosoph jedoch bei verschiedenen Gelegenheiten auch als gewiefter Geschäftsmann mit dem richtigen Riecher, etwa als Lieferant von Lebensmitteln an die französische Armee. Bei einer anderen Angelegenheit kam ihm die weiterhin angespannte Lage der Staatsfinanzen Frankreichs zu Gute. Die hatte sich auch fast zehn Jahre nach dem Fiasko um John Laws Staatsbank kaum erholt, die Suche nach Lösungen gegen den weiterhin drohenden Bankrott hatte also nach wie vor Priorität.

Dies wurde umso dringlicher, als sich der bisherige Weg, nämlich die staatliche Liquidität über Anleihenverkäufe zu verbessern, gegen Ende der 1720er Jahre als ein schwieriger erwies. Zinssenkungen hatten die Staatsanleihen unattraktiv gemacht, Geld war mit ihnen daher kaum noch zu verdienen. Der Generalkontrolleur der Finanzen, Le Pelletier-Desforts, wollte deren Verkauf durch die Verbindung mit einem Lotteriespiel wieder ankurbeln: Besitzer der schlechten Anleihen konnten Lose kaufen, um den ursprünglichen Wert zurückzugewinnen. Zusätzlich winkte ein Jackpot von 500.000 Livre. Der Lospreis betrug ein Tausendstel des Wertes der Anleihen; bei einem Papier von 1.000 Livre kostete ein Lotterielos entsprechend 1 Livre.

Voltaire, La Condamine und ihr Lotterie-Syndikat

Im Gespräch mit seinem Freund, dem Mathematiker Charles Marie De La Condamine, rechnete dieser Voltaire die potenziellen Gewinnchancen aus, die sich aus Desforts Lotterie ergeben konnten: Es war möglich, die Anleihen aufzukaufen, in Pakete zu 1.000 Livre aufzuteilen und auf diese Weise günstig an die Lotterielose zu kommen – immerhin hatten alle Lose, unabhängig von ihrem Kaufpreis, die gleiche Chance auf den Gewinn. Mit einer ausreichenden Menge dieser Lose erhöhte sich automatisch die Chance auf den Jackpotgewinn.

Voltaire und La Condamine schlossen sich mit mehreren Gleichgesinnten zusammen, um diese Überlegungen in die Tat umzusetzen. Eingeweiht wurde auch einer der Notare, die befugt waren, die Lose auszugeben. Ansonsten, so die Befürchtung, würde der massenhafte Kauf der Lotterielose für zu viel Aufsehen und das Scheitern des Plans sorgen.

Der Millionen-Coup mit der Lotterie

Nach den notwendigen Vorbereitungen kauften Voltaire und seine Gruppe wiederholt einen Großteil der verfügbaren Lose der Lotterie auf – mit nahezu garantiertem Gewinn. Bevor das Vorgehen der Gruppe letzten Endes doch aufflog, hatte sie rund 7,5 Millionen Livres gewonnen, was Voltaire selbst etwa 500.000 Livres einbrachte. Er war es denn auch höchstpersönlich, der das Ende der Lotterie heraufbeschwor. Während sich andere Spieler darauf beschränkten, ihre Lose mit Glückssprüchen zu versehen, nutzte der Aufklärer die Gelegenheit, um sich über den offensichtlich fehlgeschlagenen Versuch der Lotterie lustig zu machen. Seine Sprüche reichten von Danksagungen an die gute Idee seines Freundes La Condamine bis hin zum Verspotten des verantwortlichen Generalkontrolleurs.

Obwohl der dabei mit unterschiedlichen Namen unterschrieb, wurden die Behörden trotzdem aufmerksam, die Gruppierung um Voltaire flog auf und wurde von Desforts vor den Staatsrat gebracht. Dieser wiederum entschied zu Gunsten der Spieler – Voltaire konnte seinen Gewinn dadurch behalten, im Gegensatz zu Desforts, der sein Amt als Generalkontrolleur der Finanzen verlor.

Ein Exkurs: Wie das französische Glücksspielverbot den Aufstieg Monacoseinläutete

Vom Glücksspielzentrum zum Glücksspielverbot

Unter Ludwig XV. gab es in Frankreich erste Bemühungen, das Glücksspiel zu verbieten. Napoleon Bonaparte hingegen verfolgte eine andere Linie – er untersagte das private Glücksspiel in Italien, um das öffentliche in Frankreich zu unterstützen. Anders als seine Vorgänger oder andere europäische Fürsten war Napoleon nicht gewillt, auf die daraus zu erzielenden Gewinne für die Staatskasse zu verzichten. In kurzer Zeit erwarben sich die französischen Spielhäuser einen europaweiten Ruf.

Die Einnahmen gingen jedoch ab 1820 zurück, nachdem die Stadtverwaltung von Paris das Recht zur Verpachtung an private Unternehmer erhalten hatte. Die Situation wurde für die Durchsetzung von Einschränkungen genutzt: Verschiedene Personengruppen wurden vom Glücksspiel ausgeschlossen, die Spielstunden und –tage streng reglementiert, die Höhe der Einsätze vorgeschrieben und einiges mehr. Im Jahr 1837 wurden die Spielhäuser schließlich ganz geschlossen.

Noch eine Idee gegen den Staatsbankrott

Von dem Verbot profitierten in erster Linie die unmittelbaren Nachbarn Frankreichs und besonders nachhaltig das Fürstentum Monaco. Hier bestand eine ähnliche Problemlage wie im Frankreich des 18. Jahrhunderts: Es bedürfte dringend neuer Einnahmequellen für die Staatskasse und die Vergabe von Glücksspiellizenzen erschien als probates Mittel. Die ersten Inhaber solcher Lizenzen begannen 1856 mit dem Betrieb eines Spielhauses, allerdings wollte sich weder bei ihnen noch bei den nachfolgenden Konzessionären der erhoffte Erfolg einstellen.

Das änderte sich erst mit den großangelegten Änderungen unter François Blanc, der das Spielcasino von Monte Carlo um Hotels und eine komfortable Verkehrsanbindung erweiterte. Für alle Beteiligten war das ein Glücksgriff, denn spätestens nach dem Einrichten einer Eisenbahnlinie zum Quartier de Monte Carlo konnte die Spielbank erheblich höhere Besucherzahlen verbuchen – und zugleich für Jahrzehnte den Staatshaushalt sanieren. Zudem ist das Casino, obwohl seine Blütezeit lange vorüber ist, dem Zwergstaat bis heute als touristisches Wahrzeichen erhalten geblieben.

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