Jakobsweg Frankreich

Der französische Jakobsweg

Ein Teil des über 3000 Kilometer langen Jakobswegs, den die Franzosen Chemin de Saint-Jacques nennen, führt durch Frankreich. Es sind die vier Pilgerstraßen Via Tolosana, die in Arles beginnt, Via Podiensis mit Ausgangspunkt in Le Puy, das im Zentralmassiv liegt, Via Lemovicensis, die in Vézelay beginnt und auch als Limousin-Weg bekannt ist sowie Via Turonensis, die in Paris startet und auch „Grand Chemin“ genannt wird. Die Pilgerstraßen wurden erstmals von einem französischen Mönch im 12. Jahrhundert beschrieben.

Jakobsweg
Der Jakobsweg in Frankreich
Foto:© Atout France, Patrice Thébault

Via Podiensis – der beliebteste französische Jakobsweg
Die 730 Kilometer lange Via Podiensis gilt als der schönste der vier französischen Jakobswege. Ausgangspunkt ist die Kathedrale Notre-Dame in der kleinen Stadt Le Puy-en-Velay, die in einem Vulkankrater des Zentralmassivs liegt. Sie wurde zum Pilgerzentrum, nachdem der Bischof der Stadt, Gotescalk, im Jahr 962 von hier aus zu einer der ersten Wallfahrten nach Santiago de Compostela aufgebrochen war und nach seiner Rückkehr die kleine Kirche St. Michel d’Aiguilhe auf einem Lavafelsen errichtet hatte. Die Via Podiensis führt durch das südliche Zentralmassiv zu den Pyrenäen. Über die bewaldete Granitlandschaft der Margeride, durch das Lot-Tal mit seinen mittelalterlichen Dörfern, vorbei an Bächen und Seen, Klöstern, Burgen und Kirchen, über die Kalkhochebenen und die hügelige Landschaft der Gascogne schließt sich die Via Podiensis in dem kleinen Ort St-Jean-Pied-de-Port an der spanischen Grenze an den spanischen Jakobsweg an.

„Ich habe vor zwei Jahren mit ein paar Freunden nach dem Abitur eine Rad-Pilgerreise auf der Via Podiensis gemacht“, erzählt Dominik, Jurastudent aus Frankfurt. „Im Durchschnitt sind wir fünf bis sechs Stunden, manchmal auch sieben, am Tag geradelt – mehr war mit den schweren Rucksäcken nicht drin. Wir haben uns unterwegs Sehenswürdigkeiten angeschaut, sind manchmal auch ein oder zwei Tage an einem Ort geblieben. Übernachtet haben wir in Gästezimmern oder kleinen Hotels. Die Strecke durchs Zentralmassiv war anstrengend, aber auch atemberaubend schön. Keiner von uns möchte diese Erfahrung missen“.

Via Lemovicensis – der Limousin-Weg
Der 800 Kilometer lange Pilgerweg verläuft über Limoges im nordwestlichen Zentralmassiv. Ausgangspunkt ist jedoch die Abtei de la Madeleine im Wallfahrtsort Vézelay im Burgund. Die Via Lemovicensis hat auf ihrem ersten Abschnitt zwei Varianten: südlich über die alte Römerstadt an der Loire Nevers, das Weinbaustädtchen Châteaumeillant und Neuvy-Saint-Sépulchre mit der Stiftskirche Saint-Sépulchre, die dem Apostel Jakob geweiht ist. Die zweite Variante verläuft nördlich über La Charité-sur-Loire, Bourges in der Region Centre und Châteauroux an der Indre. Beide Varianten vereinigen sich im Dorf Gargilesse-Dampierre an der Creuse, wo die Kirche Notre-Dame aus dem 11. Jahrhundert steht. Von dort führt der Pilgerweg südwestlich über das kleine Städtchen Saint-Léonard-de-Noblat in der Region Limousin, Limoges, die Hauptstadt der Region sowie Périgueux in der Region Aquitanien. Bei Sainte-Foy-la-Grande, 50 Kilometer östlich von Bordeaux, überquert er die Dordogne, in La Réole, wo die Benediktiner-Priorei Saint-Pierre steht, die Gironde und in Mont-de-Marsan an der benediktinischen Abtei Saint-Sever im Département Landes die Adour. Im baskischen Ostabat im Département Pyrénées-Atlantiques trifft die Via Lemovicensis auf die Via Turonensis und die Via Podiensis. Auf Letzterer führt sie bis zur spanischen Grenze.   

Jakobsweg
Der Jakobsweg in Frankreich
Foto:© Atout France, Pascal Gréboval

Via Tolosona – der südlichste Jakobsweg
Ausgangspunkt der Via Tolosona, mit 525 Kilometern der kürzeste und der am wenigsten begangene der vier französischen Jakobswege, ist Arles in der Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur. Hier starten Pilger aus der Provence und dem angrenzenden Italien. Der Weg verläuft nach Arles über die Départements Gard und Hérault in der Region Languedoc-Roussillon, Tarn, Haute-Garonne, Gers und Hautes-Pyrénées in der Region Midi-Pyrénées und Pyrénées-Atlantiques in Aquitanien. Die Strecke, auf der die Spuren der alten Römer noch gegenwärtig sind, führt durch die abwechslungsreiche Gegend des Rhône-Tals, die Sumpfgegend der Camargue, die südlichen Cevennen und die hügelige Landschaft der Gascogne. Auf der Strecke liegen alte Kirchen, Klöster und einige Weltkulturerbe-Stätten der UNESCO. Die Via Tolosona überquert die Pyrenäen am Pass Col du Somport.

Via Turonensis – der nördliche Jakobsweg
Der nördlichste Jakobsweg hat seinen Namen von der Stadt Tours, durch die er verläuft. Gemäß des Jakobsbuchs Liber Sancti Jacobi aus dem 12. Jahrhundert ist der Ausgangspunkt der Via Turonensis in Orléans. Heute befindet er sich jedoch im Quartier du Châtelet in Paris am Saint-Jacques-Turm. Über die Rue Saint-Jacques führt er zur Kirche Saint-Jacques-du-Haut-Pas, wo er die Stadt verlässt. Der Weg verläuft über das Île-de-France-Département Essonne, die Départements der Region Centre Eure-et-Loir, Loiret, Loir-et-Cher, Indre-et-Loire, die Départements Vienne, Deux-Sèvres und Charente-Maritime in Poitou-Charentes, Gironde, Landes sowie Pyrénées-Atlantiques in Aquitanien. Sehenswürdigkeiten auf dem Weg sind unter anderem die Kathedrale von Orléans, die gotische Kathedrale Notre-Dame des Chartres, die Basilika St. Michel in Bordeaux und die königliche Abtei Saint-Jean-d’Angely. Die Via Turonensis ist insgesamt 885 Kilometer lang. 

 

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